StartClim2018: Synergien und Nutzungskonflikte bei der Umsetzung von Klimawandelanpassung und den Sustainable Development Goals in Österreich aus Sicht der Klimaforschung

Im Rahmen von StartClim wurden heuer zum 16. Mal Projekte vergeben. StartClim versteht sich als Forschungsprogramm, das hilft, Anfänge zu setzen. Dies gilt vor allem thematisch, indem Projekte gefördert werden, die Fragestellungen aufgreifen, die für Österreich neu und im Hinblick auf die nationale Anpassungsstrategie von besonderem Interesse sind.

Die österreichische Anpassungsstrategie ist ein Meilenstein im Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Die Strategie gliedert sich in ein strategisches Rahmenwerk („Kontext“) und in einen Aktionsplan. Der Kontext behandelt strategische Grundfragen und erklärt die Einbettung der Strategie in den Gesamtzusammenhang. Im Aktionsplan sind konkrete Handlungsempfehlungen zur Umsetzung in 14 Aktivitätsfeldern dargestellt.

Die Projekte in StartClim2018 bearbeiten Fragestellungen, die die Umsetzung von Handlungsempfehlungen aus der Strategie wissenschaftlich unterstützen. Dieses Jahr wurden fünf Projekte zu vier verschiedenen Themenbereichen der Ausschreibung gefördert: "Sustainable Development Goals und Klimawandel", "Nutzungskonflikte im Klimawandel" "Klimaschutz und Wirtschaft" sowie "Katastrophenschutz und Bildung".

StartClim2018.A: Bewertung von Wechselwirkungen zwischen klimapolitischen Maßnahmen und den Zielvorgaben der nachhaltigen Entwicklungsziele (CliPo_Interlink)

Projektleitung: Prof. Dr. Johann Stötter
Universität Innsbruck, Institut für Geographie

Kurzfassung

Die UN-Agenda 2030 erfordert rasches und entschlossenes Handeln im Sinne einer nachhaltigen Zukunftsgestaltung und Transformation, die durch die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) vorgezeichnet ist. Österreich steht, gemeinsam mit allen Ländern der Welt, mit der Umsetzung der SDGs vor einer gewaltigen Herausforderung.


Entscheidend hierbei ist es, Lösungsansätze zu finden, die mehrere Ziele gleichzeitig erfüllen, und solche zu vermeiden, die die Erreichung anderer Ziele erschwert. Gleichzeitig hat sich Österreich im Rahmen des Pariser Klimaübereinkommens zu wirksamem Handeln im Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel verpflichtet. In der letzten Dekade gab es große Bemühungen seitens der österreichischen Klimaforschungsgemeinschaft, diesen Prozess wissenschaftlich zu unterstützen und zu begleiten.


Das Projekt CliPo_Interlink greift diese Ergebnisse auf und versucht sich an einer systemischen Betrachtung der Wechselwirkungen zwischen Handlungsempfehlungen zu Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel mit den Zielvorgaben der SDGs. Ziel ist, die Wechselwirkungen exemplarisch zu evaluieren, um eine Aussage über Synergien und Zielkonflikte dieser empfohlenen Maßnahmen mit anderen SDGs treffen zu können. Dabei kommt ein Bewertungsschema zum Einsatz, das eine Quantifizierung dieser Interaktionen und folglich eine Priorisierung erlaubt.


Die Ergebnisse des Projekts sollen in den SDG-Optionenbericht an die Bundesregierung einfließen, der unter Zusammenwirkung der österreichischen Universitäten erstellt wird.

StartClim2018.B: CCCS – Climate Change Conflict Solutions Konfliktminimierung im Umgang mit Klimawandelanpassung und Klimaschutz

Projektleitung: DI Dr. Alexandra Jiricka-Pürrer
BOKU, Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung

Kurzfassung

Die Österreichische Anpassungsstrategie an den Klimawandel (BMFLUW 2017) sowie einige Anpassungsstrategien der Bundesländer und begleitende Forschungsberichte zeigen vielfältige Konfliktfelder auf, in denen Ziel- und Nutzungskonflikte durch bzw. im Umgang mit dem Klimawandel entstehen können. Insbesondere Konflikte zwischen Klimawandelanpassung und bestimmten Flächennutzungen werden hervorgehoben. Auch international nimmt das Thema eine zunehmende hohe Bedeutung ein (BMU 2009, BMU 2011, BAFU 2014).


Ziel des Forschungsprojektes CCCS ist es, einen konkreten detaillierten Überblick über die für Österreich zentralen Problembereiche, die sich durch klimawandelbedingte (verstärkte) Nutzungskonkurrenzen zwischen vorhandenen Raumnutzungen (sektoral und sektorübergreifend) und der erforderlichen Klimawandelanpassung ergeben, zu erstellen. Ebenso soll eine Zusammenstellung möglicher Planungsinstrumente, die zu einem planerischen Ausgleich der Zielkonflikte in der Lage sind, insbesondere der SUP, erarbeitet werden.


Unter Berücksichtigung der für Österreich aktuellen Klimawandelszenarien (ÖKS 15, Climamap-Daten) soll eine methodische Herangehensweise erarbeitet werden, um in einem Folgeprojekt räumliche Schwerpunktbereiche zu Konfliktfeldern identifizieren zu können. Parallel sollen Lösungsansätze, gemeinsam mit AkteurInnen im Bereich Klimawandelanpassung sowie betroffenen Fachplanungen und der räumlichen Planung, identifiziert und (weiter)entwickelt werden. Die Rückkoppelung mit den Expertinnen und Experten im Beirat sowie die Interviews dienen dabei der Validierung.

StartClim2018.C: SnowAlb – Effekte künstlicher Beschneiung auf den Strahlungshaushalt in der Skiregion Schladming

Projektleitung: Ao.Univ.Prof. Philipp Weihs
BOKU, Institut für Meteorologie

Kurzfassung

Der österreichische Wintersporttourismus ist stark von klimatischen Bedingungen abhängig. Um den Veränderungen des Klimawandels entgegenzuwirken, werden primär reaktive Maßnahmen eingesetzt, wie die künstliche Beschneiung. Das Joanneum Research veröffentlichte 2017 eine Studie, welche die kühlende Wirkung des Schnee-Albedo Effektes des Kunstschnees, der wärmenden Wirkung des CO2 Ausstoßes bei der Produktion des Kunstschnees gegenüberstellte und kam zu dem Ergebnis, dass die Albedowirkung der Kunstschneeoberfläche dem Klimasystem mehr Energie entzieht, als diesem durch die Treibhauswirkung des produzierten CO2 zugefügt wird. Die Annahmen, welche dabei für die Strahlungsreflexion getroffen wurden, sind allerdings aus unserer Sicht unzureichend.

SnowAlb setzt sich deswegen zum Ziel eine realistische Abschätzung der Wirkung der Albedo in Skigebieten zu treffen. Dabei sollen vor allem Mehrflachreflexionen und die damit verbundene Absorption der reflektierten Strahlung an am Pistenrand stehenden Bäumen, sowie an Gegenhängen berücksichtigt werden. Analysiert wird dabei eine Wintersaison (Oktober bis April) im Skigebiet Schladming. Für die Studie wird ein Modellvergleich zwischen dem einfachen Strahlungsmodell aus der Joanneum Research Studie, sowie einem komplexen BOKU-Met Ansatz durchgeführt. Bei diesem werden zwei Modelle verwendet – eines zur Modellierung der Albedo, sowie ein Modell für die Strahlungsmodellierung.

Die Ergebnisse dieses Forschungsprojektes sollen ein integraler Bestandteil des APCC Tourismus Special Report werden und letztlich in eine Peer-Reviewed Publikation münden. Damit soll erreicht werden, dass die Ergebnisse derStartClim2018 Joanneum Research Studie bezüglich künstlicher Beschneiung sowohl in der Forschungsgemeinschaft, aber auch mit Stakeholdern seriös und wissenschaftlich korrekt diskutiert werden können.

StartClim2018.D: Business for Climate (B4C) – Unternehmensstrategien im Einklang mit Klimaschutz und Klimawandelanpassung

Projektleitung: Dr. Johanna Vogel
Umweltbundesamt GmbH

Kurzfassung

Die Einbindung der Wirtschaft ist ein wichtiger Erfolgsfaktor bei der Umsetzung der UN-Agenda 2030 und des Pariser Klimaübereinkommens in Hinblick auf Klimaschutz und Klimawandelanpassung. In einigen Branchen bietet die dafür erforderliche Transformation klare neue Geschäftsfelder für Unternehmen. In anderen Branchen sind diese weniger offensichtlich, und hier gilt es, neue Wege zu finden. Dabei spielt das Aufzeigen erfolgreicher Ansätze, die Klimaschutz und Anpassung mit Wirtschaftlichkeit verbinden, eine große Rolle. In diesem Projekt werden anhand von Best-Practice-Beispielen innovative Strategien mit Marktpotenzial herausgearbeitet, die für jene österreichischen Branchen relevant sind, die nicht zu den wirtschaftlichen Gewinnern von Klimawandel und Dekarbonisierung zählen. Diese Strategien können neue Technologien, Produkte oder Dienstleistungen ebenso umfassen wie neue Geschäftsmodelle. Der Fokus liegt auf Maßnahmen, die Synergien hinsichtlich Klimaschutz und Anpassung aufweisen. Die Best-Practice-Beispiele werden in Zusammenarbeit mit Experten des Umweltbundesamts sowie mittels Befragungen von Experten und Stakeholdern aus Wirtschaft, Gesellschaft und Forschung identifiziert. Die vielversprechendsten werden in einem Workshop auf Chancen und Hemmnisse ihrer Umsetzung in Österreich analysiert. Die Ergebnisse werden in Form einer Broschüre für die Stakeholder sowie eines Abschlussberichts aufbereitet, in denen Handlungsoptionen und weitere Forschungsmöglichkeiten aufgezeigt werden.

StartClim2018.E: Analyse eines Strategiekonzepts zur Bewusstseinsbildung im Hochwasserrisikomanagement – Evaluierung einer innovativen Bildungsmaßnahme als Grundlage für ein Bildungskonzept im Katastrophenschutz

Projektleitung: Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Helmut Habersack
BOKU, Institut für Wasserwirtschaft, Hydrologie und konstruktiven Wasserbau

Kurzfassung

Die potenzielle Zunahme von Extremwetterereignissen – wie Starkniederschläge und Überflutungen – in Folge des Klimawandels stellt die verantwortlichen Entscheidungsträger vor neue Herausforderungen. Um dem künftigen Gefährdungspotenzial entgegen zu wirken, benötigt es geeignete und wirkungsvolle Bildungskonzepte zur Risikokommunikation und zur Information der Öffentlichkeit. Im Hochwasserrisikomanagement wird häufig versucht, durch das Bereitstellen von Informationen (Broschüren, Handlungsanleitungen) die Bevölkerung zu sensibilisieren, jedoch zeigen die Erfahrungen, dass diese von der Öffentlichkeit nur in sehr geringem Ausmaß genutzt werden.

Im Rahmen dieses Projektes erfolgt die Analyse und Evaluierung eines bestehenden Strategiekonzepts zur Bewusstseinsbildung sowie einer Bildungsmaßnahme („Selbstschutz Hochwasser“) im Hochwasserrisikomanagement, wobei Stärken und Schwächen aufgezeigt sowie Optimierungsmöglichkeiten erarbeitet und umgesetzt werden. Im Fokus der Evaluierung steht im Speziellen die Wirkung der getroffenen Bildungsmaßnahme auf die Eigenvorsorge und den Selbstschutz.

Aufbauend auf den Erkenntnissen der vorangegangenen Untersuchungen der Fallbeispiele und des Stakeholder Workshops sowie anhand von Good-Practice-Beispielen im Hochwasserrisikomanagement, die im Zuge einer Literaturrecherche erfasst werden, werden Strategieempfehlungen für ein wirkungsvolles Bildungskonzept im Katastrophenschutz erarbeitet.

Kontakt

Nikolaus Becsi und Assoc. Prof. Dr. Herbert Formayer
BOKU, Department Wasser-Atmosphäre-Umwelt
Institut für Meteorologie,Gregor-Mendel Straße 33, A-1190 Wien
Tel.: 01/476 54/81418

startclim@boku.ac.at
http://www.startclim.at
http://www.wau.boku.ac.at/met.html

http://www.wau.boku.ac.at/met.html